Die Sage vom Weißenstein - Marburg

Marburger Landgrafenschloss
Pilgrimstein, Marburg
Marburg
in
Hessen
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Die Sage vom Weißenstein

Historisches > Gedichte
(von Georg Thomas Dithmar, 1810-1901)

1. Der Weißenstein bei Wehrda, die Kuppe steil und spitz,
war einst, in grauen Zeiten, der ärgsten Zwingherrn Sitz;
Die Burg ist längst zerfallen, kein Stein ist mehr zu sehn,
wie's kam, laß Dir erzählen, wenn auf dem Berg wir stehn.

2. Schau hier die grünen Wiesen, durchschlängelt von der Lahn,
sieh weiden dort die Heerde, das Dorf, den Thurm sieh an,
Wehrda, das Bild des Friedens, warst's nicht in alter Zeit,
da schuf der böse Ritter dir Drangsal, Schreck und Leid.

3. Rings um die Burg im Walde ging manches schöne Wild,
Darin die Lust zu jagen der Ritter hat gestillt;
Doch wehe, wenn ein Bauer im Wald sich finden ließ;
Der Ritter gab ihm Prügel und sperrt' ihn ins Verließ.

4. Sein Thun schrie laut nach Rache, geschmiedet ward der Plan,
und Mädchenkleider thaten die kräftgen Bursche an,
dann auf der grünen Wiese, in heiterm Sonnenglanz,
hielt aus dem Dorf die Jugend ein Fest mit Spiel und Tanz.

5. Der Ritter auf dem Berge, er sah dem Tanze zu,
bis Lust, auch mitzutanzen, ihn nicht mehr ließ in Ruh;
Der Vogel ließ sich locken aus seinem festen Nest,
die böse Zeit sollt' enden mit diesem frohen Fest.

6. Ein Schwert hieng im Gewände jedwedem Bursch versteckt,
geschliffen war's zum Morde des, der den Haß erweckt;
Er kam, hat rasch ergriffen zum Tanz die schönste Maid,
da wards auf einmal stille, auf Liebe folgt das Leid.

7. Sein Schwert ein jeder zuckte hervor aus dem Gewand,
der Ritter lag im Blute, vom Schwärme übermannt.
Nun stürzen sie zur Feste, des Ritters Leute flohn,
und rufen: Nie ein Zwingherr auf diesem Berg mehr wohn!"

8. Ein Kleinod war im Schloße, ein Kleinod seltner Art,
von jeglichem Geschlechte als Heiligtum bewahrt,
der Pforte Oberschwelle war von gediegnem Gold,
das eine Fee einst schenkte dem tapfern Ahnherrn hold.

9. Ergrimmt die Bauern wälzten die Steine in das Thal,
doch war nicht mehr zu finden das goldene Portal,
das Edelfräulein hatte den Schatz getragen fort,
und in die Lahn versenket der alten Väter Hort.

10. Im Waßer, tief im Grund, halt fest nun diesen Schatz,
des Lahnstroms schöne Nixe, stets an dem gleichen Platz;
Nur alle hundert Jahre gibt sie ihn einmal los,
dann steigt er durch die Fluten aus ihrem dunkeln Schoß.

11. Einmal, so hörst du sagen, ein Fischer that den Fang,
als eben aus dem Schöße das Gold zur Höhe drang,
doch stieß er, voller Freude, aus seinem Mund ein Wort,
da wieder in die Tiefe sank rasch der goldne Hort.

                           

Copyright © 2017 Wolfgang Krebs.
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